The Hungry Heart

Amerikanische Klassiker und Bistro-Küche in Gratkorn

Philipp Carstanjens Reise begann 2016 mit einem kleinen Imbiss am Lendplatz. Seit nunmehr fast zwei Jahren gibt es das „Hungry Heart“ auch als Bar und Restaurant in Gratkorn. Was uns beide verbindet und warum unsere Freundschaft und gemeinsame Leidenschaft den Grundstein für die Gaumenschmiede gelegt hat, erfahrt ihr in unserer ersten Gastro-Reportage.

Seit fast zwei Jahren gibt es nun schon das Hungry Heart – Bar & Restaurant in Gratkorn. Es ist das dritte Lokal des Grazer Gastronomen Philipp Carstanjen, der das Hungry- und Thirsty-Heart Imperium gemeinsam mit seinem Kumpel Kevin Page aufgebaut hat. Blicke ich zwei Jahre zurück, waren wir damals alle recht gestresst im Februar 2022. Philipp und Kevin hatten noch alle Hände voll zu tun, um alles für die Eröffnung am 1. April fertig zu bekommen. Und nebenbei haben Philipp und ich gerade am Feinschliff für das Megaphon-Kochbuch „The Cooking Heart“ gearbeitet.

Diese gemeinsame Arbeit an unserem „Herzensprojekt“ war es auch, die es für mich überhaupt ermöglicht hat, den lang gehegten Plan für einen Foodblog, in die Tat umzusetzen. Wir haben viele Grazer Küchenchefs besucht und deren Philosophien und Visionen kennengelernt, haben uns mit Fischzucht, Handwerkskäse und Gemüseanbau beschäftigt und konnten viele Erfahrungen aus den verschiedensten Bereichen der Kulinarik sammeln. Ohne all diese großartigen Erlebnisse wäre es wohl nie so weit gekommen, dass ich die Gaumenschmiede tatsächlich ins Leben rufe. Deshalb gibt es jetzt auch keinen besseren Ort für die erste Gastro-Reportage als das Hungry Heart. Und keinen besseren Gesprächspartner als Philipp.

Doch genug von den Hintergründen und rein ins Hungry Heart.
Betritt man das Lokal findet sich gleich rechts die offene, für alle Gäste einsehbare Küche, die zum speziellen Flair des Hungry Heart beiträgt. Man ist gleich mittendrin statt nur dabei. Der große und helle Gastraum wirkt wunderbar einladend, denn gemeinsam mit seinen Freunden und Freundinnen konnte Philipp auch viele amerikanische Accessoires auftreiben, die zusammen mit den zahlreichen Grünpflanzen nun die Wände und Regale schmücken und die gemütliche Atmosphäre unterstreichen.

Kulinarisch bietet das Lokal neben den amerikanischen Klassikern wie dem Philly Cheese Steak Sandwich und dem New York Style Hot Dog oder einer großen Auswahl an „Loaded Fries“ eine exklusive Abendkarte. „Klassische Bistro-Küche“, beschreibt mir der Chef das Konzept, „Beef Tartar, Tuna Tartar, schöne Steaks, Risotto und so weiter. Bodenständig, g‘schmackig, aber natürlich auch etwas verspielt.“

Die Karte wurde seit der Eröffnung immer wieder überarbeitet und ist nun relativ fixiert, wobei es zusätzlich, ständig wechselnde Abendempfehlungen gibt. Neben diesem ganzjährigen Angebot gibt es immer wieder Specials, wie etwa Wild- oder Spargelwochen und exklusive Dinnerangebote beispielsweise zu Thanksgiving, Valentinstag oder Silvester. Und mittwochs ist Ripperltag. Es kann zwischen Schweine- und Rinderrippen sowie drei verschiedenen Glasuren gewählt werden. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Die Gastroszene befindet sich laut Philipp sowieso in einem ständigen Wandel. „In den 80er gab es beispielsweise viele Gasthäuser, die im Endeffekt alle das gleiche angeboten haben und alle recht gut besucht waren. Um die Jahrtausendwende gingen die Trends dann eher in Richtung Exotik, wie beispielsweise asiatische, mexikanische oder Fusionsküche. Danach kam der große Burgerhype.“ Vieles kommt und geht also, doch bemerkt der Gastronom, dass gerade auf die Qualität der Speisen wieder mehr Wert gelegt wird.

Und Qualität wurde im Hungry Heart immer schon großgeschrieben, weshalb so viel wie möglich vor Ort selbst produziert wird. Seien es Sauerteigbrot und Mayonnaisen oder gar so ausgefalle Dinge wie Knochenmarkeis oder Kernölpulver. „Wir machen halt auch eine richtig geile Rindsuppe, keinen Pulverscheiß, und unser Beef Tatar schneiden wir immer portionsweise frisch“, beschreibt mir Philipp zwei der vielen Unterschiede zu anderen Lokalen.

Bei den Zutaten setzt der 32-Jährige auf ausgewählte Lieferant:innen aus der Region wie zum Beispiel die Bäckerei Pfleger aus Semriach oder die Fleischerei Eibinger aus Deutschfeistritz. Auch mit dem Stadtbauern Martin Kleindl ist Philipp im Kontakt, „vor allem seine speziellen Gemüsesorten sind für uns interessant, also zum Beispiel Spargel oder Artischocken.“

Jetzt um die Zeit des Jahreswechsels ist gerade weniger los. „Das ist ja immer so und das ist auch wichtig. Wir brauchen diese Wellenbewegung übers Jahr. Das sind die Phasen, wo wir uns ein bissl erholen können und auch zu den vielen Kleinigkeiten kommen, für die sonst eh keine Zeit bleibt“, erklärt mir Philipp.

Und was taugt den Leuten jetzt am meisten am Hungry Heart? „Das kleine Team und die persönliche, familiäre Atmosphäre gefällt den Leuten schon sehr gut“, ist sich der Gastronom sicher. „Wir richten uns auch gerne nach unseren Gästen. Wenn sie mich fragen, was es kommende Woche als Mittagsangebot gibt, frage ich gerne zurück, was sie denn gerne hätten.“ Es sind die vielen kleinen Details und Einzelheiten, die das gesamte Flair ausmachen.
„Und dafür, dass wir noch nie einen Burger verkauft haben, gelten wir in der Region nach wie vor als eines der besten Burgerlokale“, lacht Philipp.

Auch mit der Gemeinde arbeitet man immer wieder zusammen, sei es beim Faschingsumzug oder bei Familienfesten im Park. Und den Hauptevent stellt im Juli immer das „Beer & Punkrock“ Fest dar. Damit konnte sich das Hungry Heart ein weiteres Denkmal setzen. Bereits zwei Mal veranstaltete das Lokal das, schon jetzt legendäre, eintägige Festival. Der Gastgarten wird zur Bühne, der große Parkplatz vor dem Lokal zur Festivalzone, mit Bierbänken und Essens- sowie Getränkeständen.
Neben Punkgrößen wie Authority Zero aus den USA und The Offenders aus Berlin spielen vor allem lokale Punkrockbands wie zum Beispiel A Guy named Lou, Missstand oder Nufo. „Es ist uns wichtig, dass es da einen guten Mix gibt. Letztes Jahr war da auch so ein bissl Dorffestcharakter dabei.“

Und auch für heuer steht das Line-Up im Großen und Ganzen schon fest. Deshalb streicht euch schon mal Samstag, den 27. Juli fett im Kalender an, das ist der Termin für das heurige Fest. Und keine geringeren als Skarface, die französischen Ska-Punk-Legenden werden dieses Mal den Headliner geben.
Es gibt also wieder einiges dieses Jahr worauf man sich freuen darf!

Im Cooking Heart Kochbuch haben wir von jedem Lokal, das wir besucht haben, ein Rezept mitgenommen, das wir dann im Detail vorgestellt haben. Das möchte ich auch in der Gaumenschmiede so fortsetzen, deshalb haben wir heute natürlich auch über ein Rezept von Philipp gesprochen, doch das können wir euch noch nicht verraten. In den kommenden Wochen werden wir es nämlich gemeinsam kochen und euch dann präsentieren.
Ein weiterer Gimmick unseres Buches war es, dass wir alle Protagonist:innen gefragt haben, wenn sie ein Superheld oder eine Comicfigur sein könnten, wer das dann wäre. Für die Gaumenschmiede habe ich mir nun etwas Neues überlegt und möchte von allen meinen Gesprächspartner:innen wissen, welches Musikalbum sie derzeit gerade am liebsten und öftesten hören. Beim Kochen oder einfach so. „Keine leichte Frage“, antwortet Philipp, „ich höre den ganzen Tag Musik in der Küche, aber in letzter Zeit vor allem Bedtime for Democracy von den Dead Kennedys.“ Eine Punkscheibe also, war ja klar!

Und noch was haben wir zwei ausbaldowert, ich werde mich heuer mal für einen Abend in die Hungry Heart Küche stellen und darf mir dafür ein Sandwich-Special überlegen. Eine sehr große Ehre und ich freue mich da schon richtig drauf! Mindestens genau so viel, wie ich schon Angst davor habe, dann tatsächlich in der Küche zu stehen. Aber mehr davon in den kommenden Monaten.

The Hungry HEart – Bar & Restaurant

Dr. Karl-Renner-Straße 1
8101 Gratkorn

Dienstag bis Samstag
11:00 bis 22:00